Blutegeltherapie

Aufzeichnungen besagen, dass die Blutegeltherapie bereits vor 3000 Jahren im Orient durchgeführt wurde. Die ersten Blutegelbehandlungen in Europa, die schriftlich dokumentiert wurden, fanden etwa 200 v. Chr. in Griechenland statt. In jüngster Zeit erlebt die Blutegeltherapie eine Renaissance und wird immer häufiger in Naturheilpraxen eingesetzt. Aber auch in der Schulmedizin hat man die heilende Wirkung der Blutegel für sich entdeckt und wendet sie vor allem auf dem Gebiet der plastischen Chirurgie an, um bei Hauttransplantationen oder Transplantationen von Fingern oder Zehen die Heilung zu verbessern und die Abstoßung der Organe zu verhindern.

Woher kommen die Blutegel?

Blutegel gehören zur Klasse der Ringelwürmer, werden zwei bis vier Zentimeter groß, und sind verwandt mit dem, uns wohlbekannten, Regenwurm. In Europa gibt es zwei, für medizinische Zwecke, zugelassene Arten von Blutegeln, die von speziellen Zuchtstationen bezogen werden können.

Einsatzgebiete der Blutegel

Eingesetzt werden die Tiere dann, wenn eine Zirkulationsstörung des Blutes oder der Lymphe vorliegt. Bei Hämatomen nach einer Operation ist dies der Fall, wie auch bei Krampfadern oder Entzündungen und Stauungen der Venen. Weitere Einsatzgebiete von Blutegeln sind chronische Nasennebenhöhleninfektionen und Mittelohrentzündungen, denn hier liegt ebenso eine Stauung von Körperflüssigkeiten vor, wie auch bei vielen rheumatischen Entzündungen und Gelenkbeschwerden, wie Arthrose oder Arthritis.

Auch Karbunkel und Furunkel sprechen ausgesprochen gut auf eine Blutegeltherapie an. Generell lässt sich sagen, dass bei den meisten chronischen Verspannungszuständen der natürliche Fluss der Körpersäfte gestört ist und eine Blutegeltherapie hilfreich sein könnte. Eine Blutegeltherapie kann auch eine vorbereitende Maßnahme sein, um den Fluss der Körpersäfte wieder soweit anzuregen, dass andere Therapieformen überhaupt erst wieder greifen können.

Wo werden die Tiere angesetzt?

Angesetzt werden die Blutegel im Normalfall direkt auf den betroffenen Stellen, sofern es sich nicht um offene Wunden handelt. Wenn es sich um eine Erkrankung handelt, die nicht örtlich begrenzt ist, wie beispielsweise beim Bluthochdruck, dann werden die Egel an jenen Stellen angesetzt, die, auf Jahrhunderte alter Erfahrung beruhend, eine reflektorische Wirkung auf das Organsystem haben. Die bisherige Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass die lokal begrenzten Erkrankungen besser auf eine Behandlung mit Blutegeln ansprechen, als diejenigen Erkrankungen, die den gesamten Körper betreffen. Zudem sprechen akute Problematiken auch besser auf die Therapie an, als chronische Verläufe.

Nachgewiesene Wirkstoffe

Die bisher nachgewiesenen, von den Blutegeln beim Biss, abgesonderten Wirkstoffe, sind das Hirudin, das gerinnungshemmend wirkt, sowie die Wirkstoffe Bdelline und Egline, denen entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben werden. Ferner wurde die antibiotisch wirkende Hyaluronidase nachgewiesen, wie auch ein Wirkstoff namens Calin, der dazu führt, dass die Wunde erwünschtermaßen noch etwa 12 Stunden nachblutet. Zudem wird vermutet, dass auch die Zusammensetzung des natürlichen Bakterienflora der Blutegel eine positive Eigenschaft auf die Heilung ausüben könnte.

Die Therapie wirkt der Entzündung entgegen und ganz allgemein entgiftend und regt dabei den Lymphfluss, sowie die Durchblutung an. Auch die der Blutegeltherapie, seit jeher, zugesagte schmerzlindernde und krampflösende Wirkung wurde in einer Studie im Jahr 2003 bestätigt.

Gegenanzeigen und Nebenwirkungen

Kontraindiziert ist die Blutegeltherapie bei Blutgerinnungsstörungen, Anämien, Diabetes, Autoimmunerkrankungen und bei sehr schwachen Menschen, die durch den Blutverlust noch weiter geschwächt werden könnten, sowie bei Schwangerschaft. In seltenen Fällen kann es zu allergischen Reaktionen kommen, die aber in der Regel örtlich begrenzt und dabei ungefährlich sind und rasch wieder abklingen.

Ein Brennen direkt nach dem Biss des Blutegels, wie auch ein leichtes Jucken der Bissstellen bis zu 4 Wochen nach der Behandlung ist normal. Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass die Blutegeltherapie als eine natürliche Behandlungsform sehr gut vertragen wird.