Krebstherapie mit Viren

So wie wir auch sind weltweit Ärzte auf der Suche nach der Lösung des Krebsproblems. Eine der am meisten versprechende Therapien ist die Behandlung mit Krebszellen zerstörenden Viren, sogenannten onkolytischen Viren. Diese vermehren sich gezielt in Krebszellen und zerstören diese dadurch (Onkolyse). Gesunde Zellen hingegen werden nicht geschädigt. Viele Virustypen können Krebszellen zerstören und das Immunsystem zur verbesserten Tumorabwehr anregen. Laut den Forschungen von Prof. Aine Muceniece gilt das ECHO-7 Virus als das effektivste.

Daraus wurde das Präparat RIGVIR entwickelt, welches in erster Linie beim schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) eingesetzt wird, aber auch schon bei anderen Krebsarten wie Magen- oder Darmkrebs mit Erfolg verwendet wurde. Das Virus ist apathogen, d.h. es löst selber keine Krankheit aus und ist nicht gentechnisch manipuliert. Deswegen wurde es 2011 in Lettland zur Behandlung des Malignen Melanoms zugelassen und wird nun dort von der Krankenversicherung bezahlt. Zu den Erfahrensten in der Anwendung von onkolytischen Viren gehören die Ärzte des Latvian Virotherapy Center in Riga / Lettland, wo seit gut 40 Jahren an dieser Therapieform geforscht wird.

RIGVIR wird intramuskulär gespritzt und zwar an das Lymphknotenpaket, welches dem Krebs am nächsten liegt. Am besten beginnt man schon vor der Operation, wenn dies möglich ist. Allerdings kann man auch nach einer Krebsoperation begonnen werden. Je eher desto besser. Ziel ist es, das Metastasenrisiko zu minimieren. Liegen keine Metastasen vor, so spritzt man in der Regel eine Ampulle alle 4 Wochen, bei Metastasen wöchentlich 1 x für das erste Vierteljahr.

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Je länger die Therapie fortgeführt wird, desto größer werden die Intervalle. In den Studien RIGVIR wurde gezeigt, dass die Behandlung über 3 Jahre fortgeführt werden sollte (dann nur noch alle 3 Monate eine Spritze), weil gezeigt wurde, dass das Rückfallrisiko auch dann noch gesenkt wird. Gesteuert und kontrolliert wird die Behandlung über Blutparameter. Die Nebenwirkungen wie z.B. leichtes Frösteln sind zu vernachlässigen.

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Meine Einschätzung: viel versprechend, obwohl sicher nicht das Allheilmittel in der Krebstherapie. Geeignet für Melanompatienten, die keine Standardtherapie mit z.B. Interferon möchten oder diese nicht vertragen. Auch bei Melanommetastasen würde ich RIGVIR einsetzen, auch wenn oder besser, weil Metastasen immer schwierig zu behandeln sind. Dass die neuesten Wundermittel gegen Melanom viel besser sind, glaube ich nicht. Auch bei anderen Krebsarten stellt die Behandlung mit onkolytischen Viren sicher eine Bereicherung dar, v.a. weil sich die Therapiekosten noch im Rahmen halten. Deswegen arbeiten wir auch mit anderen Virusstämmen, aus denen in Deutschland individuelle Präparate für die Patienten hergestellt werden. Hier fehlen uns allerdings noch langfristige Erfahrungen.

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Zum Schluss eine kleine Anekdote während meines Besuchs in Riga. Prof. Dr. Ingrid Cema, sehr angesehene Spezialistin in Kopf-Hals-Mund- Chirurgie und Dekanin der dazu gehörigen Fakultät der Universität Riga, war sehr erfreut mich in Riga, Heimatstadt meiner Vorfahren, begrüßen zu können. Und sie war sehr dankbar meinem Vater gegenüber, dass er sein Buch „Stufenplan zur Behandlung chronischer Erkrankungen“ auf lettisch hat veröffentlichen lassen. Sie zeigte mir ein abgegriffenes Exemplar der 1992 erschienen lettischen Ausgabe und sagte: „Dieses Buch hat mir die Augen geöffnet, dass es noch eine andere Seite der Medizin gibt. So z.B. dass es einen Zusammenhang zwischen den Zähnen und Organen im Körper gibt. Ich habe noch einige, wenige Exemplare und jeweils der beste Student eines Jahrgangs bekommt ein Buch von mir als Abschiedsgeschenk“.

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Mehr Informationen finden Sie hier : Zur RIGVIR Website